2003

10. Oktober 2003: Bericht im Meller Kreisblatt

Meller Tafel kann auf fünfjährige Geschichte zurückblicken

Erste Adresse für Menschen, die in Not geraten sind

Melle (sm) Seit nunmehr fünf Jahren setzt die MellerTafel ein Zeichen und stellt sich gegen die Ideale der Wegwerf- und Konsumgesellschaft. Um Menschen zu helfen, die durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder sonstige Umstände in Not geraten sind, werden Lebensmittel verteilt, die nicht mehr im Handel benötigt oder verkauft werden können. Wanderten die Nahrungsmittel früher einfach auf den Kompost, ist es durch die Tafel möglich, sie doch noch sinnvoll zu nutzen.

Das Konzept hat bundesweit Erfolg, und auch im Grönegau wird das Angebot von vielen Betroffenen bereitwillig genutzt. Wenn die Meller Tafel montags, mittwochs und freitags jeweils um 14.30 Uhr im ehemaligen Betriebsgebäude der Firma Helling Am Bahnhof 1 ihre Pforten öffnet, hat sich vor dem Eingang bereits eine lange Schlange gebildet, denn die Zahl der Sozialhilfeempfänger, Arbeitslosen sowie Alleinerziehenden und Rentner mit geringem Einkommen hat auch im Grönegau zugenommen.

Waren es im ersten Jahr rund 360 Personen, die das Angebot der Meller Tafel genutzt und sich gegen einen Obolus mit Nahrungsmitteln eingedeckt haben, sind es heute rund 1.500 Betroffene jährlich, die regelmäßig bei der Meller Tafel anstatt in einem Supermarkt oder Lebensmittelladen „einkaufen“.

Haben die Abnehmer der Waren den Nachweis erbracht, dass sie es sich angesichts ihres zu geringen Einkommens nicht leisten können, im Fachgeschäft oder Discounter einzukaufen, können sie sich bie der Tafel mit allem Notwendigen eindecken.

Verteilt werden Lebensmittel, die zwar im regulären Handel nicht mehr verkauft werden können, grundsätzlich aber qualitativ noch einwandfrei sind. Beispiele hierfür sind Brötchen vom Vortag, Milch und Milchprodukte kurz vor Ablauf des Verfalldatums, Obst mit kleinen Schönheitsfehlern oder Fehlabfüllungen. Die Idee dazu wurde vor 40 Jahren erstmals in den Vereinigten Staaten von Amerika umgesetzt, und die erste deutsche Tafel gründete sich vor zehn Jahren in Berlin.

Heute gibt es in Deutschland rund 320 Tafeln und betrieben werden sie von gemeinnützigen Vereinen, die sich aus ehrenamtlichen Mitgliedern zusammensetzen. In Melle sind momentan 54 engagierte Helfer registriert, die sich darum kümmern, dass die Waren schnell und pünktlich in den Supermärkten sowie Liebensmittelgeschäften abgeholt und zügig wieder an die Abnehmer ausgegeben werden, da die begrenzte Haltbarkeit keine lange Lagerung erlaubt.

Im Augenblick bezieht die Meller Tafel ihre Waren von rund 40 Stellen im Grönegau sowie aus dem Bünder und Herforder Raum. Letzteres ist möglich, da in beiden ostwestfälischen Regionen keine eigene Tafel existiert, der dortige Handel aber ebenso einen Abgabebedarf hat wie die Kaufleute im direkten Einzugsbereich. Um einen schnellen und reibungslosen Warenfluss zu gewährleisten, werden in Melle zur Zeit insgesamt 13 Fahrer eingesetzt, die täglich (außer sonntags) genau vorgeschriebene Routen abfahren.

Grundsätzlich lautet die Devise „Jeder gibt, was er kann!“, und so ist nicht von vornherein gewährleistet, dass auch wirklich alle Lebensmittel erhältlich sind, die ein Abnehmer gerne haben möchte. Um jedoch Engpässe zu vermeiden, pflegt die Meller Tafel eine intensive Zusammenarbeit mit vergleichbaren Vereinen in Osnabrück, Bückeburg, Bielefeld, Gütersloh und Münster. Fehlt irgendwo ein dringend benötigter Posten, werden Waren bei Bedarf untereinander ausgetauscht, um vorhandene Versorgungslücken zu schließen.

Das gesamte System funktioniert in Melle reibungslos, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Tafel die Räumlichkeiten am Bahnhof von Dr. Carl Bösch kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dies ist ein Standortvorteil, den viele andere Vereine nicht genießen.

Trotzdem ist die Meller Tafel auch weiterhin nicht nur auf die Unterstützung in Form von Lebensmittelspenden angewiesen, sondern ebenso auf die tatkräftige Hilfe durch neue Mitglieder. Dies ist einer der Gründe, warum sich der Verein am Samstag, 11. Oktober 2003, in der Zeit von 10 bis 12 Uhr parallel zum Wochenmarkt auf dem Rathausplatz mit einem Informationsstand präsentiert.