2002

18. Juli 2002: Bericht im Meller Kreisblatt

Vier Jahre „Meller Tafel“ haben das Sozialleben der Stadt positiv bereichert

Bis zu 150 Personen suchen die Einrichtung täglich auf

Melle (gs) Vier Jahre Meller Tafel e.V. haben das Sozialleben der Stadt positiv bereichert. Inzwischen sind es über 50 ehrenamtliche Mitarbeiter, darunter elf Männer, die sich für Menschen engagieren, die nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen. „Als wir in Melle damit begannen, den Tafelgedanken in die Tat umzusetzen, hat wohl niemand damit gerechnet, dass die humanitäre Einrichtung auch in unserer Stadt so viel Zuspruch finden würde, denn der Bedarf ist groß“, sagt Hannelore Tommek, die Vorsitzende der Meller Tafel. Im Vorstand der örtlichen Hilfsorganisation ist man froh, dass sich inzwischen so viele freiwillige Helfer, aber auch Förderer [...] einbringen. Ein besonderes Dankeschön geht dabei an Dr. Carl Bösch, der die Betriebsräume für die Einrichtung von Anfang an unentgeltlich zur Verfügung stellte.

Begonnen hatte alles im ehemaligen Helling’schen Firmengebäude am Bahnhof. Als man vor Monaten damit begann, den abgängigen Gebäudekomplex des traditionsreichen Unternehmens abzureißen, war das Ehepaar Bösch spontan bereit, stattdessen das benachbarte Sozialgebäude der Firma Helling für die Meller Tafel zur Verfügung zu stellen. Beschlossen wurde eine umfassende Renovierung des Hauses. Der Eigentümer finanzierte schließlich die Umgestaltung der Heizungsanlage und den Hausanstrich. Der Einbau neuer Fenster und Türen konnte dank Unterstützung durch den Melle-Gesmolder Siechenfonds und die Sparkasse Melle realisiert werden. Namhafte Spenden wurden von den Firmen Schutte & Hünerberg, Teledoor, Busch Fassaden- und Raumgestaltung, Bio-Line und von einigen Kirchengemeinden eingebracht, und die RWE sorgte letztendlich dafür, dass der Anschluss des Hauses an das Stromnetz unentgeltlich erfolgen konnte.

Es versteht sich von selbst, dass während der Umzugsphase und während der Renovierungszeit im ehemaligen helling’schen Sozialgebäue der Dienst an bedürftigen Mensch uneingeschränkt weitergehen musste. „Das alles wurde von den ehrenamtlichen Helfen mit Geduld und Eigeninitiative begleitet“, lobt Hannelore Tommek den Einsatz des Mitarbeiterteams.

Montags, mittwochs und freitags herrscht in den Betriebsräumen der „Meller Tafel“ geschäftiges Treiben. Kisten mit Obst, Backwaren, Gemüse, Konserven, aber auch mit anderen Produkten des täglichen Bedarfs wie Babynahrung, Reinigungsmittel etc. werden in den Regalen verteilt. Einsatzpläne sorgen dafür, dass die eventuell erforderliche Kühlkette von Produkte nicht unterbrochen wird. Dazu leistet auch ein mit Vollkühlung ausgestatteter Kombi-Wagen des Typs Sprinter seinen Beitrag. Schließlich legt man Wert darauf, dass keine verdorbene Ware das Haus verlässt.

Die Ausgabe gespendeter Waren erfolgt nach einem System. Um eine möglichst gerechte Vereilung zu gewährleisten, werden Nummernzettel ausgegeben, die wiederum gegen ein geringes Entgelt zum Empfang berechtigen. Die Bedürftigkeit ist durch Ausweispapiere wie Aufenthaltsgenehmigung, Arbeitslosenbescheinigung oder Sozialamtsbescheid nachzuweisen. An manchen Tagen melden sich bei der Meller Tafel bis zu 120 Personen unterschiedlicher Nationalitäten, um ihren sonst eher bescheidenen Lebensstandard ein wenig aufzubessern. In der Kartei der Meller Einrichtung sind fast 1.500 Peronen registriert.

Die Idee „Versorgen statt Entsorgen“ stammt aus Amerika. Der Tafelgedanke, die Lücke zu schließen, was Kommunen und herkömmliche Hilfsorganisationen nicht leisten können, macht in Deutschland schnell die Runde, denn auch hier landen etwa 20 Prozent aller vorhandenen Lebensmittel in der Entsorgung, wobei man allerdings berücksichtigen muss, dass Märkte und Gastronomie gewissen Zwängen unterliegen. Inzwischen gibt es bundesweit bereits über 300 dieser segensreichen Einrichtungen. In Deutschland gelten etwa 20 Prozent aller Menschen als gering verdienend, eine Schere zwischen Arm und Reich, die sich immer weiter öffnet. Bei dieser Zahl von fast drei Millionen Sozialhilfeempfängern, darunter 1,1 Millionen Kinder, ergibt sich besonders in den Ballungsgebieten von Großstädten Handlungsbedarf. Ein nicht gerade geringer Teil von Besuchern der Meller Tafel kommt übrigens aus dem Raum Bünde. „Ein Anliegen ist es, dass sich bei uns auch so genannte verschämte Arme melden, von denen es in der Stadt Melle inzwischen schon viele Menschen gibt“, sagt eine der Mitarbeiterinnen.

A und O des Engagements in der Meller Tafel ist nach wie vor jedoch die Spendenfreudigkeit von Firmen, Organisationen, Kirchen und Privatpersonen. Fördernde Mitgliedschaft und jede Gabe (Waren oder Geldbeträge) sind willkommen. Das Spendenkonto lautet: Meller Tafel e.V., Sparkasse Melle, Konto 97 97 99, BLZ 265 522 86.

Anlässlich einer Vorabbesichtigung der neu gestalteten Betriebsräume der Meller Tafel [...] sprachen sich Dr. Carl Bösch und die beiden Vorstandsmitglieder des Gesmold-Meller Siechenfonds, Hans Adam Freiherr von Hammerstein und Bürgermeister Josef Stock, lobend über die, wie es hieß, überaus motivierte Arbeit des Mitarbeiterteams aus. Josef Stock nannte das ehrenamtliche soziale Engagement geradezu beispielhaft: „Es sind Bürger unserer Stadt, die dem Slogan der Meller Tafel – „Jeder gibt, was er kann“ – in jeder Weise Rechnung tragen“. An Dr. Carl Bösch gewandt, sprach der Bürgermeister von einem erfolgreichen Unternehmer, der sich seiner sozialen Verantwortung nicht entziehe. [...]